Freitag, 3. Februar 2012

Kritik: Fräulein Smillas Gespür für Schnee


"Sie sagten der Junge sei vor jemandem geflüchtet, wie kommen sie darauf?" - "Es lag Schnee auf dem Dach von dem er gefallen ist. Ich hab seine Spuren gesehen. Wie sie ein Gespür für Gott haben, habe ich ein Gespür für Schnee."

Ich mag Schnee. Naja ich mag jedenfalls Schnee, wenn er in Filmen eingesetzt wird. Ob ich ein Gespür für solche Filme habe kann ich nicht sagen und ist fragwürdig. Ich weiß diese besondere Atmosphäre denke ich zu schätzen, denn Schnee kann auch etwas verbergen oder verstecken, ein Geheimnis, welchen man auf den Grund gehen muss. Und "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" (wie wunderbar doppeldeutig) ist einerseits ein Film von Billie August aus dem Jahre 1997, auch produziert von Bernd Eichinger, andererseits ein Roman von Peter Høeg und außerdem hat Fräulein wirklich ein Gespür für Schnee, das ist fast schon ein Fakt.




Zudem sei gesagt, ich stelle nun erstmal keine Vergleiche zum Roman auf, das nur als Info am Rande. Denn so würde man noch wesentlich noch mehr Mängel finden. Nun aber zunächst zu dem fast gleich bleibt: Die Handlung. Faszinierend, eine nicht allzu gewöhnliche Detektivgeschichte um einen etwas anderen weiblichen Detektivcharakter, Story zwischen Charakterstudie, Krimi, Drama und nicht zu vergessen Schnee. Fräulein Smilla, eine interessante Figur. Stur, spröde und trotzdem voller Mitgefühl und Tatendrang, eine resolute Frau. Ihr Fall, sie persönlich involviert. Denn in Kopenhagen stürzt ein Inuit-Junge, Isaiah,  vom Dach eines Hauses, alles deutet auf einen Unfall hin. Doch Smilla (übrigens Gletscherforscherin) kannte den Jungen persönlich, seine Ängste und Hintergründe, geht dem auf die Spur, denn sie vermutet hinter allem mehr als einen einfachen Unfall. Sie vertraut nur ihrer eigenen Nase und riecht förmlich den Schnee, der zu verbergen scheint...




Bei solch Produktion, vom großen Ausmaß, ist auch oft ein weitflächiger Cast nie zu verachten und er existiert, jedenfalls in Falle dieses Films, die Besetzung weitgefächert und international sehr gut ausgewählt. So möchte ich die recht ungewöhnliche Wahl der Fräulein Smilla, großartig und meiner Meinung nach auch stark gespielt von Julia Ormond als Idealsbesetzung sehen, denn sie schafft es ihre facettenreiche Rolle doch glaubwürdig darzustellen, sie verleiht Tiefe und Profil, um diesen mittlerweile wahrscheinlich nervigen Running-Gag konsequent weiterzuführen: Ja bei ihr fühlt man das Gefühl für Schnee. Neben ihr noch zurückhaltend und kühl agierend, für meinen Geschmack doch zu kühl, Gabriel Byrne als mysteriöser Nachbar und Helfer, der Smilla bei den Ermittlungen Unterstützung leisten möchte, Smilla skeptisch, sein Charakter undurchsichtig und doch sind Gefühle nicht zu leugnen. Mysteriös und eiskalt auch zunächst Richard Harris, welcher seine Rolle wie immer souverän meistert und ich seine doch wohl dosierten Auftritte mit Faszination verfolgte, sehr gekonnt. Zudem reihen sich insofern noch in den Cast ein, einmal ein wie immer gut agierender Tom Wilkinson, eine schüchterne-nervös-blinzelnde Vanessa Redgrave, ein solider Jim Broadbent, und Importstars wie Jürgen Vogel und Mario Dorf sind auch mit dabei, als Verzierung dann noch ein überzeugender Robert Loggia als Smillas Vater Moritz.



Es sind wahrscheinlich die Erinnerungen, die diesen Film hier für mich noch heute so leicht zugänglich machen, Billie August, welcher mit Eichinger vorher auch schon "Das Geisterhaus" drehte, legt ein gemächliches Tempo an den Tag, baut seine Handlung und seine Figuren langsam auf, empfand ich stets als Mischung zwischen Charakterstudie und Krimi. Insofern ist sein Werk natürlich auch kein herkömmlicher Krimi (bzw. Thriller), der allein auf Spannung oder so gesehen den Fall bedacht ist, man lernt den Charakter Smilla Jaspersen kennen, ihre Beziehung zu dem Jungen, was den den Fall selbstredend auch weiterbringt und die Hintergründe des Ganzen klärt, wenn auch nicht im vollen Ausmaß wie man sich das wünschen würde, größtenteils empfand ich die Nebencharaktere als teilweise etwas blass, nur als Beispiel. Dabei durchaus mit einem sensibel-emotionalen und subtilen Touch geschildert, mit Stil selbstredend. Auch wenn ich zweifelsfrei sagen muss, dass es für mich trotz aller Spannung und Faszination, so einige Aspekte des Films, es durchaus für mich hierbei einige zähe Stellen und Längen gab, vermutet durch nüchterne Erzählstruktur. Das mag letztlich (und nach der Sichtung) fast schon vergessen sein, denn besonders der Showdown in der atemberaubenden Eiskulisse von Grönland liefert noch einmal Hochspannung, wobei insofern Anfang und Ende des Films dabei einen gewissen Zusammenhalt präsentieren, in Hinsicht auf Eis, Schnee und Kälte. Da vergisst man glatt, dass der Showdown auch einen gewissen effekthascherischen Anteil besitzt. Das Mysterium Schnee findet insofern seine Auflösung und die Bilder beeindrucken dabei, wie gesagt beim Finale grandios und mit viel Atmosphäre gefilmt, und sonst recht nüchtern und durchaus authentisch.


"Was haben sie zu tun mit der Sache?" - "Ein kleiner Junge wurde ermordet, ich mache es zu meiner Sache."

Dazu noch musikalisch passend und größtenteils fesslend-ruhig komponiert (ungewöhnlich: u.a. Hans Zimmer), gut harmonierend mit den Bildern, welche wie gesagt letztlich immer einen Großteil meiner Faszination am Film bildeten und sonst auch größtenteils sehr stimmungsvoll gehalten und über die wunderbaren Drehorte und Kulissen muss ich wohl kein Wort mehr drüber verlieren.

"Ich kannte ihn und das ist mein Hinweis. Wir alle haben unsere Phobien. Isaiah hatte auch eine und zwar Höhenangst." - "Nichtdestoweniger war er dort oben." - "Ja genau. Und was mich umtreibt, was mir den Schlaf raubt. Ist die Frage was hat ihn aufs Dach getrieben?"


So bleibt mir dann abschließend nur noch zu sagen, dass Fräulein Smillas Gespür für Schnee" doch fein ausgearbeitetes und sauber erstelltes Krimipuzzle ist, welches besonders zu glänzen weiß dank seiner wirklich herausragenden Darstellerriege, wobei da Julia Ormond als unorthodoxe Detektivin Smilla heraussticht, und seiner fantastischen Kulisse, dennoch mit Schwächen in Hinsicht der Präzision und der Existenz einiger Längen meiner Meinung nach.



7 / 10

Autor: Hoffman

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